1. Münchner Luftsymposium: Hunderte Bürger*innen wollen saubere Luft

1. Münchner Luftsymposium: Hunderte Bürger*innen wollen saubere Luft

1. Münchner Luftsymposium: Hunderte Bürger*innen wollen saubere Luft

Das Thema Luftreinhaltung scheint den Münchner*innen sehr unter den Nägeln zu brennen – das lässt zumindest der große Andrang vermuten, den am Sonntag, 26. November 2017, das 1. Münchner Luftsymposium in der Alten Kongresshalle verzeichnete. Geladen hatte das „Bündnis für saubere Luft“ in Kooperation mit der „Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien RENN.Süd“. Den Rahmen bildeten die Münchner Wissenschaftstage.

Bereits vor Münchens 1. Luftsymposium war einer der Workshop so gut wie ausgebucht. In ihm konnten die schlussendlich 65 Teilnehmer*innen gegen ein kleines Entgelt selbst Messgeräte bauen – und damit künftig die Feinstaubbelastung in ihrem Zuhause oder unterwegs messen. Weitere rund 100 Interessierte informierten sich an einem Infostand und 45 Teilnehmer*innen entwickelten in einem zweiten Workshop Ideen, wie Bürgerengagement der Forderung nach sauberer Luft mehr Nachdruck verleihen kann. Bei einigen der Vorschläge kann sich der Gastgeber – das „Bündnis für saubere Luft“ – gut vorstellen, sich dafür im nächsten Jahr in München einzusetzen, beispielsweise für einen autofreien Tag pro Monat.

Am Abend – zum Abschluss des Luftsymposiums – hörten knapp 200 Interessierte Vorträge von Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Dr.-Ing. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC e.V., Christian Döring, Kinderarzt, und Norbert Krause, Luftreinhalte-Aktivist. Im Zentrum standen dabei diese Fragen: Welche Auswirkungen hat permanente Luftschadstoffbelastung auf Mensch und Umwelt? Wie sind die neuesten Fahrzeugflotten einzuschätzen und wie könnte der Schadstoffausstoß sinken? Welche Möglichkeiten haben Bürger*innen, um ihre Gesundheit zu schützen?

Der Kinderarzt Christian Döring wies zu Beginn ausführlich auf die Gefahren hin, die von Ultrafeinstaub ausgehen. Diese Partikel, die kleiner als ein Mikrometer sind, gelängen über die Lunge in den Blutkreislauf und transportierten so Gifte in die Organe – was beispielsweise auch Ungeborene träfe. Für Überraschung sorgte seine Aussage, dass laut einer Studie der Technischen Universität Darmstadt die Schadstoffbelastung im Auto-Innenraum zweimal über der Belastung am Straßenrand liegt – auf der Autobahn sogar zehnmal höher. Autofahrer*innen seien also nicht nur Verursacher, sondern gehörten selbst zu den Leidtragenden der Luftverschmutzung. Deshalb riet er stark davon ab, Kinder in Autos zu transportieren. Jürgen Resch,

Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, erinnerte daran, dass München bereits gerichtlich dazu verpflichtet wurde, bis Ende 2017 Maßnahmen für Diesel-Fahrverbote vorzubereiten – auch, wenn das Bundesverwaltungsgericht erst im Februar 2018 entscheidet, ob solche Fahrverbote rechtens sind. Applaus bekam er für seine Verkündigung, dass er nur ein paar Tage zuvor ein Zwangsgeld von bis zu 25.000 Euro oder Zwangshaft für die Bayerische Umweltministerin beantragt hatte, um eine Beteiligung der Öffentlichkeit an den Luftreinhaltemaßnahmen zu erwirken. Der Aktivist Norbert Krause forderte zum Abschluss die Zuhörer*innen mit einigen Beispielen seiner witzigen Aktionen zu kreativem Protest auf. Im September beispielsweise saß er 22 Stunden und 48 Minuten in einem Auto auf einem Parkplatz – und machte so auf die durchschnittliche tägliche und aus seiner Sicht sinnlose Standzeit eines PKWs aufmerksam. Die Aufforderung zum Protest nahmen Hermann „Beppo“ Brem, Sylvia Hladky und Andreas Schuster, die Sprecher des Münchner Bündnisses für saubere Luft, gerne auf und versprachen, den öffentlichen Druck für saubere Luft in München weiter aufrechtzuerhalten.

Wer sich künftig selbst für Luftreinhaltung engagieren möchte, ist am Mittwoch, 13. Dezember 2017, zum „Stammtisch Mobilität und Verkehrswende“ des Bündnispartners Green City e.V. eingeladen. Mehr Informationen gibt es unter www.luft-reinheitsgebot.de.

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